Erfahrungsbericht: gif-Doktorandenkolloquium 2019

Erfahrungsbericht: gif-Doktorandenkolloquium 2019

Am 8. Mai fand in den Design Offices in Frankfurt am Main das Doktorandenkolloquium der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V. statt. Im Fokus standen zum einen die Forschungsthemen der Doktoranden von unterschiedlichen Universitäten aus Deutschland und Österreich. Zum anderen wurde die quantitative Marktbeobachtung mit Big Data sowie konkrete Anwendungen dieses noch relativ neuen Feldes beleuchtet. Darüber hinaus wurde die gif Zukunftswerkstatt vorgestellt, ein vielversprechendes Format für Jungmitglieder des Vereins.

Für diejenigen unter uns, die in der Immobilienwirtschaft tätig sind, ist ein gutes Netzwerk enorm wichtig. Das kann einem jeder erfahrene Branchen-Profi sagen. Wer in diesem Bereich forscht, benötigt dies umso mehr, denn wir besetzen eine interdisziplinäre Nische mit einer vergleichsweise kleinen wissenschaftlichen Community. Umso schöner ist es, sich auf dieser Veranstaltung für den wissenschaftlichen Nachwuchs mit Gleichgesinnten austauschen zu können und wertvolles Feedback von erfolgreichen Forschern und anderen Doktoranden zu erhalten.

Wissenschaftlichen Input gab es beispielsweise vom Präsidenten der gif, Prof. Dr. Tobias Just, sowie der Vizepräsidentin Prof. Dr.-Ing. Silke Weidner. Letztere führte auch durch den Tagesablauf der Veranstaltung. Die erste Hälfte des Kolloquiums beinhaltete dabei vor allem Präsentationen zu den Forschungsthemen der Doktoranden. Dabei ging es um verschiedene höchst relevante Fragestellungen von Regulierungsmaßnahmen für Bestandsbauten in angespannten Wohnungsmärkten bis zum Einfluss von Megatrends auf die Geschäftsmodelle immobilienwirtschaftlicher Akteure. Auch der Lehrstuhl Immobilienentwicklung der TU Dortmund war mit zwei Beiträgen vertreten. Lukas Naumann stellte seine Forschung zur Projektentwicklung neuer Stadtquartiere vor und Fabian Göddert präsentierte seine Arbeit zu Präferenzen und Zahlungsbereitschaft für Ästhetik von Wohnimmobilien. Aus persönlicher Sicht stellt sich dieses Format sehr vorteilhaft für Doktoranden dar, denn der fachliche Austausch über einzelne Fachgebiete und Universitäten hinaus hilft enorm, seinem Thema Aufmerksamkeit zu verschaffen und es zu schärfen.

Lukas Naumann vom Lehrstuhl Immobilienentwicklung der TU Dortmund präsentierte seine Forschung zu Stadtquartieren
Lukas Naumann vom Lehrstuhl Immobilienentwicklung der TU Dortmund präsentierte seine Forschung zur Projektentwicklung neuer Stadtquartiere

Auf die Präsentationen der Doktoranden folgte ein Vortrag von Dr. Marcelo Cajias, Associate Director Research bei PATRIZIA Immobilien AG, zur Marktbeobachtung mit Big Data. Neben einer kurzen begrifflichen Einordnung, die erst einmal die schiere Fülle an Daten(-quellen), mit denen gearbeitet wird und werden kann, verdeutlicht hat, wurden konkrete quantitative Methoden verglichen, mit denen sich Marktbeobachtungen durchführen lassen. Generell lassen sich die besprochenen Methoden überwiegend in den Kontext der hedonischen Immobilienbewertung bringen. Das heißt vereinfacht, dass große Datensätze mit Transaktions- und Angebotsdaten sowie verschiedene Variablen (Herr Dr. Cajias hat verraten, dass er in seinen Modellen mit durchschnittlich ca. 45 Variablen arbeitet) genutzt werden, um Funktionen zu schätzen, die den Einfluss der Variablen auf den Preis nachvollziehen können. Anhand dieser geschätzten Funktion kann dann beispielsweise geprüft werden, ob konkrete Objekte im Portfolio underrent, also unter Marktwert vermietet sind. Dabei lassen sich durch Einsatz von semi-parametrischen und Machine-Learning-Verfahren (z.B. Random Forest Regression, Support Vector Regression) sehr genaue Modelle schätzen, die – zumindest in Städten mit ausreichender Anzahl an Datenpunkten – marktfähige Mietpreise mit Standardfehlern von unter einem Euro pro Quadratmeter ermitteln können. Diese aufwendigen Rechenoperationen werden dabei in der Praxis durch Elastic Computing bedarfsgerecht ausgelagert, sodass diese Methoden wirtschaftlich darstellbar sind, da keine Investitionen in Hardware getätigt werden müssen. Somit eröffnen sich spannende neue Anwendungsfelder für quantitative Methoden in der Immobilienwirtschaft, die im Zuge der zunehmenden Digitalisierung und Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Daten immer relevanter werden.

Beispiel für ein einfaches hedonisches Preismodell mit nur einer unabhängigen Variablen (Wohnfläche in m²) und der Monatsnettokaltmiete in € (logarithmisch skaliert) als Zielgröße auf Basis von 1.430 Angebotsmieten in Frankfurt am Main
Beispiel für ein einfaches hedonisches Preismodell mit nur einer unabhängigen Variablen (Wohnfläche in m²) und der Monatsnettokaltmiete in € (logarithmisch skaliert) als Zielgröße auf Basis von 1.430 Angebotsmieten in Frankfurt am Main

Nach diesen sehr forschungsorientierten Segmenten folgte zum Abschluss noch eine Vorstellung der noch relativ neuen Gruppe innerhalb des Vereins, die sich gif Zukunftswerkstatt nennt. Dieses Team, das sich aus Studierenden, Promovierenden und Young Professionals zusammensetzt, hat es sich auf die Fahne geschrieben, die Interessen der jungen Mitglieder innerhalb der gif zu vertreten. So soll nicht nur der Nachwuchs mit den etablierten Mitgliedern vernetzt werden, sondern auch eine Schnittstelle zwischen Hochschule und gif etabliert und eine Plattform für fachliche und persönliche Kommunikation geschaffen werden. Da dieser Gedanke auch von uns mit den Veranstaltungen von Realtalk verfolgt wird, kann diese Maßnahme nur zu begrüßen sein.

Ergebnis des Doktorandenkolloquiums waren zahlreiche neue Impulse für die Forschung und Praxis, wertvolles Feedback für das eigene Promotionsvorhaben und ein sehr freundlicher und konstruktiver Austausch sowohl mit den „einfachen“ Mitgliedern als auch den anwesenden Vorständen der gif. Es konnten viele neue Kontakte geknüpft werden, aus denen sicherlich in der nächsten Zeit die ein oder andere Zusammenarbeit entsteht. Insofern fällt das persönliche Feedback für dieses Format durchgehend positiv aus.

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